Fach-Artikel

Konflikt-Prävention
Vorbeugen ist oft günstiger als heilen


Einleitung



Eine Krankheit kommt meist unerwartet. Dann sucht man schnell nach Genesung. Viele Behandlungsmethoden stehen dabei zur Auswahl. Am liebsten bekommt man ein "Mittel", damit die Krankheit wieder vergeht. Die Vorsorge dagegen ist noch nicht so stark verbreitet.

Auch Konflikte kommen meist unerwartet. Die Mehrzahl der Menschen sucht beim Auftreten schnell nach einer "Behandlung". Am liebsten hätte man eine Methode, mit der der Konflikt wieder verschwindet. Kann man auch etwas zur Konfliktvorsorge tun?

Man kann. Drei Beispiele für wirksame Methoden zur Konfliktvorsorge:

Leben Sie mit Lob und Tadel 
Überwinden Sie die Zweifel an Ihren Fähigkeiten 
Stimmen Sie einer Kritik zum Spaß einfach zu 

Wie die Präventionen garantiert ohne negative Nebenwirkungen
funktionieren lesen Sie in den folgende drei Abschnitten.


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Leben Sie mit Lob und Tadel 


Eine der unvermeidlichen Lektionen in Leben ist, mit der Missbilligung (Kritik) anderer fertig zu werden. Es wird Ihnen nämlich nie gelingen immer und alle Menschen zufrieden zu stellen. Selbst wenn ein Politiker einen überwältigenden Wahlsieg mit 55 Prozent aller Stimmen erringen konnte, bleiben noch 45 Prozent der Bevölkerung, die sich jemanden anderes gewünscht hätten. Ziemlich ernüchternd, nicht wahr?

Wir werden in der Familie, unter unseren Freunden und Berufskollegen kaum wesentlich mehr Zustimmung erfahren. Schließlich hat jeder seine Meinungen und Erfahrungen, Wertvorstellungen und diese können nicht immer mit den anderen übereinstimmen. Aus einem unerklärlichen Grund wehren sich die meisten von uns jedoch gegen diese unumstößliche Tatsache. Wir werden zornig, sind verletzt oder frustriert, wenn man unsere Ideen verwirft, uns zurückweist oder in anderer Form Missbilligung zeigt.

So könnte sich leicht ein Konflikt ausweiten.

Je eher wir aber die unumstößliche Tatsache akzeptieren, dass wir schlechtweg nicht die Akzeptanz eines jeden Menschen finden können, mit dem wir es zu tun haben,
desto einfacher wird unser Leben.

Wenn Sie sich also einfach damit abfinden, von Zeit zu Zeit auf Missbilligung zu stoßen, können Sie mit frischen Kräften Ihren Lebensweg gehen. Fühlen Sie sich durch Tadel nicht zurückgewiesen, sondern sagen Sie sich: "Das musste ja mal wieder passieren. Ist halt ihre/seine Meinung. Macht nichts."

Sie können somit selbst viele Konflikte bereits im Ansatz vermeiden.

Umgekehrt können Sie lernen, angenehm überrascht, ja dankbar zu sein, wenn Ihnen unerwartete Anerkennung widerfährt.

Bei mir ist es so, dass ich oft am gleichen Tag Lob und Tadel empfange. Ein Kunde engagiert mich für ein Training und jemand anderer zeigt kein Interesse. Ein Anruf bringt gute Nachrichten, ein anderer schafft ein neues Problem. Eines meiner beiden Söhne ist zufrieden mit meinem Verhalten, der andere hat damit Schwierigkeiten. Jemand sagt, was für ein netter Mensch ich doch sei, ein anderer hält mich beispielsweise für arrogant, weil ich seinen Anruf nicht sofort erwidere.

Dieser Wechsel zwischen gut und schlecht, Billigung und Missbilligung gehört einfach zum Leben. Ich gebe gern zu, dass mir Lob lieber ist als Tadel, es ist angenehmer und leichter zu akzeptieren. Je zufriedener ich jedoch mit mir selbst bin, desto weniger hängt mein ganzes Wohlbefinden von anerkennenden Worten anderer ab.

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Überwinden Sie die Zweifel an Ihren Fähigkeiten 


Viele Menschen vergeuden große Mengen Energie, indem sie an ihren Fähigkeiten zweifeln.

"Das kann ich nicht." oder
"Da kann ich nichts dagegen machen." oder
"So war ich schon immer." oder
"Ich werde nie eine positive Beziehung aufbauen können."

Und tausend anderer entmutigender Aussagen. Unser Verstand ist ein mächtiges Werkzeug. Wenn wir erst einmal zu dem Schluss gekommen sind, dass etwas wahr oder für uns unerreichbar ist, lässt sich diese selbst errichtete Hürde nur äußerst schwer überwinden.

Egal, ob es sich dabei um bestimmte Fähigkeiten handelt, oder um gute (Liebes-) Beziehungen, wenn wir an uns zweifeln, ist es fast gar unmöglich aus diesen festgefahrenen Geleisen herauszukommen.

Nehmen wir an, Sie sagen sich:
"Ich kann nicht schreiben."

Dann suchen Sie nach Beweisen für diese Aussage. Sie erinnern sich an schlechte Schulaufsätze oder auch daran, wie unwohl Sie sich beim letzten Mal gefühlt haben, als Sie einen Brief abfassten mussten. Sie überzeugen sich von Ihren eigenen Schwächen bis Sie sich nicht mehr getrauen es wenigstens einmal zu versuchen. Um aber Schriftsteller oder auch etwas Anderes zu werden, müssen Sie zunächst Ihren eifrigsten Kritiker zur Ruhe bringen. Sich selbst.

Eine Coaching-(Privat)Klientin erzählte mir einmal: "Ich werde nie eine gute Beziehung haben. Ich baue jedes Mal Mist." Und es stimmte. Immer, wenn Sie jemanden kennen lernte suchte Sie, ohne es sich bewusst zu machen, nach Gründen aus denen ihr neuer Partner sie verlassen könnte. Wenn Sie zu spät zu einer Verabredung kam, erklärte sie ihm: "Ach, ich bin immer unpünktlich." Wenn sie sich stritten sagte sie: "Ich bin ein schrecklicher Streithammel." Irgendwann hatte sie ihn überzeugt, dass sie seine Liebe wirklich nicht wert war. Dann sagte sie sich: "Ich wusste es ja. So geht es jedes Mal. Ich werde nie eine gute Beziehung führen."

Sie musste lernen damit aufzuhören immer nur ihr Scheitern zu erwarten. Sie musste sich dabei ertappen, wenn sie ihre eigenen Fähigkeiten anzweifelte. Sobald ihr ein "das passiert mir immer" rutschte, sollte sie sich sagen:

"Das ist doch lächerlich. Das passiert mir nicht immer."

Sie musste erkennen, dass das Zweifeln an ihren Fähigkeiten nur eine negative Angewohnheit war, die sie leicht durch eine positive ersetzen konnte. Heute geht es ihr viel besser. Wenn sie in ihre alte Verhaltensweise verfällt, lacht sie nun gewöhnlich über sich selbst.

Ich habe gelernt, dass ich selten enttäuscht werde, wenn ich die Zweifel an meine Fähigkeiten überwinde. Ich nehme an, Ihnen wird es nicht anders gehen.

Zur Vorbeugung von Konflikten ist es sehr hilfreich, sich nicht verteidigen zu müssen. Wer selbstbewusst zu seinen Ansichten und Fähigkeiten steht, kann auch die Meinungen anderer leichter annehmen. Vielleicht kann man sogar aus den Ansichten anderer etwas lernen.

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Stimmen Sie einer Kritik zum Spaß einfach zu 


Stimmen Sie, nur zum Spaß, einer an ihnen geäußerten Kritik zu
und sehen Sie zu wie sie sich in nichts auflöst.


Nur zu oft lassen wir uns durch die geringste Kritik aus dem Konzept bringen. Wir betrachten sie als Katastrophe und verteidigen uns als befänden wir uns in einer Schlacht. In Wirklichkeit ist Kritik nichts weiter als die von unserem Selbstbild abweichende Meinung eines anderen Menschen über uns, unser handeln, unsere Sichtweise. Was soll's also.

Wenn wir auf Kritik automatisch mit einem Gegenangriff reagieren, tut das weh. Wir fühlen uns bedroht und verspüren das Verlangen uns zu verteidigen oder Gegenkritik zu äußern. Unser Kopf ist voll von verärgerten oder verletzten Gedanken, die sich gegen uns oder den Kritiker richten.

All dies kostet uns enorme geistige Kraft. Eine unglaublich hilfreiche Übung besteht darin, der gegen Sie gerichteten Kritik einfach zuzustimmen. Ich will damit nicht sagen, dass Sie allen gegen Sie gerichteten Aussagen Glauben schenken, andere auf sich herumtrampeln oder Sie sich Ihr Selbstwertgefühl ruinieren lassen sollen. Aber oft wird ein Konflikt entschärft indem man die Kritik annimmt. Das Bedürfnis des anderen seinen Standpunkt zu äußern wird befriedigt und Sie bekommen eine Chance etwas über sich selbst zu erfahren, indem Sie ruhig bleiben und ein Körnchen Wahrheit in der Meinung des anderen entdecken.

Eine der ersten Gelegenheiten bei denen ich bewusst der gegen mich gerichteten Kritik zustimmte, war vor vielen Jahren, als eine Kollegin einmal zu mir sagte: "Manchmal redest du zuviel."
Ich weiß noch, dass ich einen Augenblick zutiefst betroffen war, bis ich beschloss ihr recht zu geben. Ich antwortete ihr:
"Das stimmt. Ich rede manchmal tatsächlich zuviel." So entdeckte ich etwas, was mein Leben veränderte. Meine Zustimmung ermöglichte es mir zu erkennen, wie recht sie hatte. Ich rede tatsächlich oft zuviel. Wichtiger noch, durch meine inoffensive Haltung konnte sie sich entspannen.
Wenige Minuten später meinte Sie:
"Weißt du, mit dir kann man wirklich gut reden."

Ich bezweifle, dass sie das gesagt hätte, wenn ich auf ihre Bemerkung hin wütend geworden wäre.

Ich habe inzwischen gelernt, dass Kritik auf die man mit einem Angriff reagiert, kein Ende nimmt. Ja, negative Reaktionen auf Kritik bestärken denjenigen, der sie geäußert hat noch darin, dass seine Einschätzung richtig war.

Versuchen Sie es einmal mit dieser Strategie. Sie werden feststellen, dass man mehr gewinnt als verliert, wenn man Kritik gelegentlich auch einmal zustimmt.

Sie tragen enorm viel dazu bei, Konflikte erst gar nicht entstehen zu lassen.

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Ergänzende Fachbeiträge zu Konfliktlösungs-Strategien



Lesen Sie auch die beiden Fachbeiträge aus news2use 25 und 26:

Die universellen Regeln helfen, Konflikte positiv zu lösen.

Fachartikel: "Konflikte besser verstehen und konstruktiv lösen"

Fachartikel: "Freude mit Konflikten"

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Impressum


Quellenhinweis:
Teile der obigen Texte sind aus dem Hörbuch "Alles kein Problem"
Autor Dr. Richard Carlson, Rusch-Verlag. Kreuzlingen/Konstanz,
ISBN: 3-907595-24-6
Wir danken den Verlag für die freundliche Genehmigung.

Für den Inhalt des obigen Artikels verantwortlich: Richard Wagner

Diversitytraining
Wagner + Partner

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Gußriegelstrasse 28/51

Tel : 0043-1-8122501
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